Anti-Geldwäschebehörde (AMLA)
Die AMLA-Behörde: Was ist die neue EU-Geldwäschebehörde?
Aufgaben, Befugnisse, der Standort Frankfurt und was die AMLA für Unternehmen bedeutet
Die Bekämpfung von Geldwäsche und Terrorismusfinanzierung steht seit Jahren im Fokus der Europäischen Union. Mit Schaffung der Anti-Money Laundering Authority (AMLA) geht die EU nun einen entscheidenden Schritt hin zu einer zentralisierten Aufsicht. Diese Behörde soll im bisher fragmentierten europäischen Finanzsystem mehr Einheitlichkeit, Effizienz und Durchsetzungskraft herstellen.
Was ist die AMLA-Behörde?
Die AMLA ist eine neu geschaffene EU-Behörde zur Bekämpfung von Geldwäsche und Terrorismusfinanzierung, die am 1. Juli 2025 unter dem Vorsitz von Bruna Szego die Tätigkeit in Frankfurt aufnahm. Anders als bisherige Strukturen, die stark auf nationale Aufsichtsbehörden setzen, wird mit der AMLA ein EU-weit zentralisierter Ansatz verfolgt.
Damit wird ein entscheidender Schritt in Richtung eines vereinheitlichten europäischen Finanzsystem geschaffen, das bisher mit seinen 27 Mitgliedsstaaten sehr zersplitterte rechtliche und regulatorische Vorgaben aufwies und darum viele Schlupflöcher für Geldwäsche und Terrorismusfinanzierung zuließ.
Die AMLA-Behörde soll insbesondere große, grenzüberschreitend tätige Finanzinstitute direkt beaufsichtigen und gleichzeitig als Koordinationsstelle für nationale Aufsichtsbehörden fungieren. Ziel ist es, Inkonsistenzen in der Anwendung von Geldwäschevorschriften innerhalb der EU zu reduzieren.
Warum hat die AMLA-Behörde ihren Sitz in Frankfurt?
Frankfurt erhielt im Februar 2024 nach einem intensiven Auswahlverfahren den Zuschlag als dauerhafter Standort der AMLA-Behörde und setzte sich damit gegen Metropolen wie Brüssel, Paris, Madrid und Dublin durch. Unter anderem ging es dem Entscheidungsgremium darum, Synergien mit vorhandenen Finanz-aufsichtlich relevanten Institutionen zu ermöglichen und so die Effizienz zu erhöhen.
Von der Entscheidung für den Standort Frankfurt ging auch eine politische Signalwirkung aus, denn sie stärkt Deutschland als größte Volkswirtschaft innerhalb der EU.
Weitere Faktoren waren entscheidend für Frankfurt als Sitz der AMLA-Behörde:
- Frankfurt ist ein in Europa etabliertes Finanzzentrum mit Nähe zur Europäischen Zentralbank (EZB) und anderen EU-Aufsichtsbehörden
- Deutschland verfügt über eine große Anzahl an in der EU bedeutenden Finanzinstituten
- Frankfurt hat bereits etablierte Infrastrukturen für Finanzaufsicht und Regulierung vorzuweisen
Die Bundesregierung, das Land Hessen und die Stadt Frankfurt haben zugesagt, die Ansiedlung der AMLA-Behörde in der Aufbauphase über einen Zeitraum von fünf Jahren finanziell zu unterstützen.
Key-Facts zur AMLA
Key-Facts zur AMLA
| Fakt | Details |
| Gründung | 26. Juni 2024 (Veröffentlichung EU-Amtsblatt 19.06.2024) |
| Operativer Start | 1. Juli 2025 |
| Sitz | Messeturm Frankfurt am Main |
| Vorsitzende | Bruna Szego (ehemals Banca d’Italia, ernannt 21. Jan. 2025) |
| Mitarbeitende | ~400+ aktuell, ~432 bis Ende 2027 geplant |
| Direkte Aufsicht | 40 grenzüberschreitend tätige Finanzinstitute inklusive Krypto-Dienstleister |
| Rechtsgrundlage | EU-AML-Paket: AMLR (EU) 2024/1624 + AMLD6 (EU) 2024/1640 |
| EU-AMLR gilt ab | 10. Juli 2027 in allen EU-Mitgliedstaaten |
| FIU.net Übernahme | Ab Juli 2027 vollständig unter AMLA-Direktive |
| Finanzierung | Bund, Land Hessen, Stadt Frankfurt unterstützen die Startphase (5 Jahre) |
Einordnung: Die AMLA als Teil des EU-AML-Paketes
Mit der europäischen Anti-Geldwäscheverordnung (EU-AMLR) soll die Harmonisierung der regulatorischen Vorschriften und technologischen Standards innerhalb der EU auf ein neues Niveau gebracht werden, wie wir in unserem Blogbeitrag „Wissenswertes rund um die Regulierungstrilogie“ weiter ausführen. Die AMLA-Behörde ist Teil dieses umfassenden Legislativpakets der EU zur Bekämpfung von Geldwäsche, Terrorismusfinanzierung und anderen Formen von Finanzbetrug.
Ein weiterer Bestandteil des EU-AML-Paketes ist die Anti-Money Laundery Directive (AMLD6), die die nationalen Vorgaben definiert. Obwohl die Kerninhalte der AMLD6 bereits vor Aufnahme der Tätigkeit der AMLA definiert und von der EU-Kommission verabschiedet wurden, ist die AMLA-Behörde operativ für die Ausarbeitung der technischen Regulierungsstandards (RTS) zuständig, um so die Richtlinien und Verordnungen der AMLD6 zu konkretisieren.
Aufgaben und Befugnisse der AMLA-Behörde
Der AMLA wurden weitreichende Befugnisse eingeräumt:
- Sie ist zuständig für die Koordination von Maßnahmen sowie der Förderung des Informationsaustauschs zwischen den verschiedenen Financial Intelligence Units (FIU).
- Die AMLA hat die Definitionshoheit über die technischen Regulierungsstandards (RTS) hinsichtlich der Customer Due Diligence (CDD), die mit Inkrafttreten der EU-AMLR verpflichtend werden. Diese RTS sollen zum 1. Juli 2026 finalisiert sein.
- Sie übernimmt die direkte Aufsicht über 40 gezielt ausgewählte Hochrisiko-Finanzinstitute mit Sitz in der EU. Alle weiteren Institute bleiben unter der jeweiligen nationalen Aufsicht, die jedoch immer im engen Austausch mit der AMLA handelt.
- Sie ist verantwortlich für die Koordination und Unterstützung nationaler Aufsichtsbehörden, etwa der BaFin, die im deutschen Finanzwesen auch nach Inkrafttreten der EU-AMLR als Aufsichtsbehörde zuständig ist.
- Als zentrales Befugnis kann die AMLA-Behörde beim Versagen nationaler Finanzaufsichtsbehörden gezielt eingreifen, wenn diese ihre aufsichtsrechtliche Verantwortung nicht ausreichend umsetzen.
Was ändert sich für regulierte Unternehmen?
Für Banken, Finanzdienstleister und andere verpflichtete Unternehmen ergeben sich durch die EU-AMLR und die hiermit verbundene AMLA-Behörde spürbare Veränderungen:
- Einheitlichere Regeln durch das so genannte Single Rulebook
- Strengere und konsistentere Aufsicht
- Höhere Anforderungen an Know-Your-Customer-(KYC-), Know-Your-Business- (KYB-) und Monitoring-Prozesse
- Mögliche direkte Aufsicht durch die AMLA (bei Hochrisikoinstituten)
- Erhöhter Druck zur Implementierung effizienter Compliance-Systeme
Insbesondere international tätige Unternehmen profitieren von klareren Vorgaben, da der Aufwand aufgrund unterschiedlicher regulatorischer und rechtlicher Bedingungen in den verschiedenen Märkten reduziert sind. Sie müssen gleichzeitig jedoch mit intensiveren Kontrollen rechnen.
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Was bedeutet die AMLA für Privatpersonen?
Für Privatpersonen sind die Auswirkungen indirekt, aber spürbar. Sie müssen mit strengeren Identitätsprüfungen rechnen, etwa bei der Kontoeröffnung. Diese könnten unter Umständen etwas mehr Aufwand verursachen, auf der anderen Seite jedoch die Sicherheit vor Finanzkriminalität (etwa via Social Engineering) erhöhen.
Langfristig soll die AMLA-Behörde, wenn auch eher indirekt, dazu beitragen, das Vertrauen in das europäische Finanzsystem zu stärken.
AMLA-Behörde: Chancen und Kritik
Die Etablierung der AMLA wird sowohl positiv als auch kritisch bewertet; die tatsächliche Effektivität dieser neuen Aufsichtsbehörde wird stark von der Praktikabilität in der Umsetzung abhängen.
| Chancen | Kritikpunkte |
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Fragen und Antworten zur AMLA-Behörde
Weitere Fragen und Antworten rund um die Regulierungstrilogie, bestehend aus der EU-AMLR, eIDAS 2.0 und zur EUDI-Wallet haben wir in einem „Q&A“ zusammengestellt. Weitere Fragen beantwortet das WebID Team gern auf Anfrage über unser Kontaktformular.
Was ist die AMLA-Behörde einfach erklärt?
Die AMLA (Anti-Money Laundering Authority) ist die neue zentrale Anti-Geldwäscheaufsichtsbehörde der Europäischen Union. Sie ist das neue Herzstück der EU, um Geldwäsche und andere Formen von Finanzkriminalität durch die zentralisierte Aufsicht und einheitliche Standards zu verhindern.
Wo ist der Standort der AMLA?
Die AMLA-Behörde hat ihren Sitz in Frankfurt am Main und hat die operative Tätigkeit zum 1. Juli 2025 aufgenommen.
Welche Befugnisse hat die AMLA-Behörde?
Die AMLA-Behörde wird mit weitreichenden Befugnissen ausgestattet, denn sie kann Untersuchungen durchführen, Informationen anfordern und bei Verstößen Druck auf Finanzinstitute ausüben.
Was ist Kritik an der AMLA-Behörde?
Ein zentraler Kritikpunkt kann darin gesehen werden, dass mit der Etablierung der AMLA-Behörde letztlich das Risiko einer Verschiebung der Bürokratisierung auf EU-Ebene besteht.
Was bedeutet die AMLA für Privatpersonen?
Für Privatpersonen wird sich mit den Zuständigkeiten der seit Juli 2025 operativ tätigen AMLA-Behörde nur wenig ändern, abgesehen davon, dass die Identifikationsprozesse (etwa bei einer Kontoeröffnung) etwas umfassender werden, da hier weitere Daten erhoben und zusätzliche Prozesse zur Verbesserung der Sicherheit der werden müssen.
Was ist das EU-Vermögensregister und hat die AMLA damit zu tun?
Die AMLA-Behörde wird die nationalen Transparenzregister über wirtschaftliche Eigentümer (UBOs) koordinieren und überwachen, um Geldwäsche einheitlich zu bekämpfen. Sie stellt sicher, dass nationale Register korrekt genutzt werden, und erhält Zugriff auf Daten, um die Einhaltung der Vorschriften zu prüfen.
Ab wann gilt die AMLA direkt für Unternehmen?
Die neue Behörde nimmt ihre Arbeit in Phasen auf, wobei die direkte Zuständigkeit für bestimmte Unternehmen gestaffelt erfolgt. Als wichtigsten Termin sollten verpflichtete Unternehmen den 1. Januar 2028 im Blick haben. Ab diesem Zeitpunkt wird die AMLA die direkte Aufsicht über ausgewählte Finanzinstitute mit hohem Risiko übernehmen.
Was macht die AMLA-Behörde konkret?
Sie überwacht direkt etwa 40 der risikoreichsten Finanzinstitute in der EU, koordiniert die nationalen Finanzaufsichtsbehörden (wie die BaFin in Deutschland) und verbindet die zentralen Meldestellen (FIUs) der EU-Staaten, damit Informationen schneller fließen.
Darüber hinaus definiert sie die technischen Regulierungsstandards im Finanzwesen (RTS) zum Umgang mit Customer-Due-Diligence-Prüfungen (CDD). Diese Vorgaben werden nach Konsultationen zum 1. Juli 2026 veröffentlicht.
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